Pädagogische Konzeption

Vorbemerkung

Die ursprüngliche Rahmenkonzeption wurde als Grundlage für die Planung, Gründung und Entwicklung des "Landesgymnasiums für Hochbegabte mit Internat und Kompetenzzentrum in Schwäbisch Gmünd" (LGH) erarbeitet und wird von dessen Lehrkräften und Schülern sowie den Eltern und Mitarbeitern des Kompetenzzentrums für Hochbegabtenförderung (KH) kontinuierlich weiterentwickelt.

I. Rechtliche und organisatorische Grundlagen

1. Rechtliche Grundlagen

Nach der Verfassung des Landes Baden-Württemberg hat jeder junge Mensch ohne Rücksicht auf seine Herkunft oder wirtschaftliche Lage das Recht auf eine seiner Begabung entsprechende Erziehung und Ausbildung (§11 LV). Das öffentliche Schulwesen ist nach diesem Grundsatz zu gestalten.

Als weiterer Baustein im Rahmen der staatlichen Begabtenförderung entspricht die Einrichtung eines LGH diesem Verfassungsauftrag.

Das LGH ist eine öffentliche Schule mit Internat und Kompetenzzentrum, die auf Initiative des Landes eingerichtet wurde (Versuchsschule nach §22 und §30 des Schulgesetzes).

Das Landesgymnasium für Hochbegabte mit Internat und Kompetenzzentrum in Schwäbisch Gmünd besteht aus drei Einheiten:

2. Organisatorische Grundlagen

Das LGH baut auf dem achtjährigen gymnasialen Bildungsgang, dessen Bildungsplan und den dort formulierten allgemeinen pädagogischen Zielsetzungen auf.

Der Unterricht beginnt mit Klasse 7. Den Abschluss bildet das Zentralabitur Baden-Württembergs, ggf. ergänzt durch weitere Qualifikationen.

Über die Aufnahme entscheidet ein Aufnahmeverfahren, in dessen Rahmen u.a. eine qualifizierte Hochbegabungsdiagnostik von Diplom-Psychologen durchgeführt wird.

Das LGH wird derzeit in Klasse 7 und 8 einzügig, von Klasse 9 bis 12 zweizügig geführt.

Pro Klasse können circa vier externe Schülerinnen und Schüler aufgenommen werden. Für sie gelten teilweise besondere Regelungen. (siehe Pädagogisches Konzept für Externe)

An den Heimfahrtwochenenden und in den Ferien ist das LGH geschlossen. In diesen Zeiten können die Räumlichkeiten für Ferienkurse o. Ä. genutzt werden.

Dem LGH ist als eine Einheit ein Kompetenzzentrum für Hochbegabtenförderung (KH) angegliedert, das individuelle Beratung für Schüler, Eltern und Lehrer anbietet und den Schulentwicklungsprozess systematisch auswertet. Darüber hinaus ist es als landesweite Anlaufstelle für Fragen der Hochbegabtenförderung zuständig (siehe V).

II. Pädagogische Konzeption: Gemeinsames Leben und Lernen

Das LGH fördert neben dem Erwerb von fachbezogenen und allgemeinen Kompetenzen auch ein hohes Verantwortungsbewusstsein für Mensch, Gesellschaft und Natur.

Zu diesem ganzheitlichen Bildungs- und Erziehungsansatz gehören deshalb neben der Förderung der intellektuellen Fähigkeiten insbesondere die Entwicklung und Förderung von Selbstständigkeit und Leistungswille, Urteilsvermögen und Toleranz, kultureller Offenheit und sozialen Kompetenzen sowie der Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung in der Gesellschaft.

Auf diesen allgemeinen Zielsetzungen basiert das pädagogische Konzept des gemeinsamen Lebens und Lernens. Es beruht auf zwei pädagogischen Grundgedanken:

Bild: Paedagogisches Konzeption in Kuerze

1. Individuelles Fördern und Fordern

Ziel des gemeinsamen Lernens ist es, eine Unterrichtskultur zu entwickeln, in deren Mittelpunkt die bestmögliche Förderung des einzelnen Schülers steht und in der die Verschiedenheit der Schüler akzeptiert wird.

Die individuellen Fähigkeiten, Begabungen und Vorkenntnisse der Schüler des LGH sind sehr heterogen. Deshalb wird in Einzelgesprächen mit dem Gymnasialmentor ein persönlicher Bildungsplan mit Zielvereinbarungen erstellt, fortlaufend überprüft und weiterentwickelt.

Außerdem können die Schüler in ihrer individuellen Persönlichkeitsentwicklung von den Mitarbeitern des Kompetenzzentrums ?betreut und beraten werden.

Akzeleration (Vermittlung der Lerninhalte in kürzerer Zeit) und Enrichment (Zusatzangebote zur Vertiefung und Erweiterung der Lerninhalte) bestimmen als grundlegende Prinzipien für eine spezifische Hochbegabtendidaktik den Unterricht sowohl im Fundamentum als auch im Additum.

Im Fundamentum, dem Pflichtbereich, werden die verbindlichen Bildungsinhalte, die zum Abitur führen, in verkürzter Form vermittelt. Im Interesse einer breiten und vertieften Allgemeinbildung sind für alle Schüler das sprachliche und das naturwissenschaftliche Profil verbindlich. Aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler ergibt sich, dass die äußere Differenzierung ein wesentliches Prinzip der Unterrichtsorganisation ist.

Besonders leistungsstarke Schüler kann. der Fachlehrer mit einem Lernvertrag aus dem regulären Unterricht entlassen und sie mit fachbezogenen Sonderaufgaben selbstständig arbeiten lassen. An Leistungsmessungen in der Klasse nehmen diese Schüler jedoch teil.

Im Additum, dem Wahlpflichtbereich, erhalten die Schüler zusätzliche Angebote, die den Fachunterricht des Fundamentums weiter vertiefen, aber auch neue Themengebiete berücksichtigen, Lernfelder anbieten und Spitzenförderung ermöglichen. In den Klassen 9 und 10 erklären die Schüler ein Additum ihrer Wahl zum Spitzenadditum. Lehrer und Schüler vereinbaren hierbei eine individuelle und intensive Form der Vertiefung.

Besonders hier findet das so genannte Grouping statt, d.h. die Schüler finden sich in vergleichsweise homogenen Lerngruppen zusammen, können sich gegenseitig austauschen und sich ihren Begabungsstärken gemäß ein persönliches Profil aneignen.

Die Addita sind folgenden Bereichen zugeordnet:

2. Ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung

Um den Schülern ganzheitliches Lernen zu ermöglichen, gibt es Wahlpflichtfächer im sportlichen,? künstlerischen und musischen Bereich.

Ergänzt wird dieses Angebot durch praktisches Arbeiten Darstellendes Spiel (Klasse 8), in Werkstätten, im Schulgarten und in der Küche (Klasse 9), sowie durch ein Sozialpraktikum (Klasse 10). Auf diese Weise werden die Schüler nicht nur in ihrer intellektuellen, sondern auch in ihrer emotionalen, sozialen und physischen Entwicklung gestärkt und gefördert.

Um einer Isolation, die durch die Internatspflicht und das gemeinsame Leben auf dem Campus entstehen könnte, vorzubeugen, ist die Öffnung nach außen ein wichtiger Eckpunkt der pädagogischen Konzeption.

Sozialpraktika in örtlichen Einrichtungen, Unterricht in der städtischen Musikschule, Mitgliedschaft in Sportvereinen, Einbeziehung der Jugendlichen aus der Umgebung bei sportlichen und kulturellen Angeboten der Schule und die Zusammenarbeit mit Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen bieten Möglichkeiten der Öffnung nach außen.

Der Schulcampus soll für Menschen, die in Schwäbisch Gmünd und Umgebung wohnen, Ort der Begegnung werden, zum Beispiel über Ausstellungen, Theater, Diskussionsforen oder Sportveranstaltungen, bei denen die Schüler die Rolle des Gastgebers einüben können.

Demokratische Strukturen werden in Schulvollversammlungen, Sitzungen des LGH-Rats und des Schülerrats sowie in den Wohngruppen und Klassengemeinschaften eingeübt. Dort werden Rechte und Pflichten des Einzelnen und der Gemeinschaft diskutiert und Verantwortung sich selbst und anderen gegenüber erfahren. Beschlussvorlagen der Gesamtlehrerkonferenz werden beraten und eigene Vorschläge erarbeitet. Die Beteiligten können dabei verantwortliches Handeln lernen und die Schule gemeinsam weiterentwickeln.

III.?Organisatorische Besonderheiten

Schule, Internat und Kompetenzzentrum haben je eine eigene Leitung und Organisationsstruktur, wobei die Gesamtleitung beim Schulleiter liegt und im Vertretungsfall beim stellvertretenden Schulleiter als ständigem und allgemeinem Vertreter nach §42 SchG.

1. Strukturierung des Schuljahres

Das Schuljahr am LGH ist in Trimester gegliedert. Das erste Trimester dauert von Schuljahresbeginn bis Weihnachten, das zweite von Jahresbeginn bis etwa zu den Osterferien und das dritte Trimester umfasst den folgenden Zeitraum bis zu den Sommerferien.

Am Ende der beiden ersten Trimester erhalten die Schüler eine Trimesterinformation, das dritte Trimester schließt mit einem Jahreszeugnis ab.

In jedem Trimester findet ein LGH-Familientag statt. Während der Elternsprechtag im Januar zum Austausch der aktuellen Gegebenheiten im schulischen und internatlichen Bereich genutzt wird, sind LGH-Familientage vor allem durch das Lerngespräch mit dem Gymnasialmentor und das gesellige Beisammensein von Schülern, Eltern, Lehrern und Mitarbeitern des Kompetenzzentrums gekennzeichnet, an denen auch Ergebnisse der Unterrichtsarbeit und der Freizeitaktivitäten präsentiert werden können.

Für die Klassen 11 und 12 gilt analog zum organisatorischen Rahmen der Kursstufe in Baden-Württemberg die Einteilung in Semester.

Pro Schuljahr wird ein Tag der offenen Tür durchgeführt.

Für die Schüler des LGH ist während ihrer Schullaufbahn ein Auslandsaufenthalt erwünscht.

2. Strukturierung der Schulwoche

Die Schüler reisen jeweils am Sonntagabend (ab 17.00 Uhr) an und verbringen die darauf folgenden 12 Tage (Montag der A-Woche bis Freitag der B-Woche) am LGH. In der ?A - Woche ist der Samstag ein normaler Schultag, am Sonntag werden den Schülern Freizeitangebote, insbesondere aus dem erlebnispädagogischen Bereich, gemacht. Die Abreise der Schüler erfolgt am Freitag bis 10.00 Uhr. Am Wochenende der B-Woche ist das Internat bis zum Zeitpunkt der Anreise geschlossen.

Die Abende am Donnerstag werden in der A-Woche für Vortragsveranstaltungen etc. und in der B-Woche für Schulabende genutzt.

Am Montag oder Dienstag der B-Woche findet vor dem Unterricht eine Schülervollversammlung statt.

2.1 Klasse 7-10

Das gemeinsame Leben und Lernen am LGH ist in einem zweiwöchigen Turnus (A- und B-Woche) organisiert.

An jedem Mittwochnachmittag finden für alle Schüler verpflichtende Veranstaltungen statt: Coaching für Klasse 7, Darstellendes Spiel für Klasse 8, Arbeit in Werkstätten, im Schulgarten und in der Küche für Klasse 9 und ein Sozialpraktikum für Klasse 10.

2.2 Kursstufe

Grundlage für das Fundamentum ist der Bildungsplan der Kursstufe des Landes Baden-Württemberg.

Im Additum der ?Klassen 11 und 12 haben die Schüler die Möglichkeit, ein fachübergreifendes Spitzenadditum als Seminarkurs und somit als Besondere Lernleistung einzubringen. Sie arbeiten dabei über den Zeitraum eines Schuljahres wissenschaftlich. Das Ergebnis dieser Arbeit wird schriftlich im Rahmen einer maximal 15-seitigen präwissenschaftlichen Arbeit dokumentiert und in einem öffentlichen Kolloquium verteidigt. Es besteht die Möglichkeit, diese Projektarbeit als Besondere Lernleistung im Abitur anrechnen zu lassen. Die Teilnahme an Wettbewerben wird gefördert.

Des Weiteren können die Schüler der Kurstufe an Angeboten des Frühstudiums teilnehmen. Die getroffenen Kooperationsvereinbarungen mit den Universitäten Stuttgart und Ulm bieten hierfür den passenden Rahmen.

3. Strukturierung des Schultages

Bild: Strukturierung des Schultages

Die Schultage am LGH sind in Fundamentum, Studierzeit mit individueller Hausaufgabenbetreuung, Additum, Freizeit mit Sport- und Bewegungsangeboten und kulturelle Angebote unterteilt (vgl. Wochenplan). Mit dieser Strukturierung werden die Schultage rhythmisiert.

4. Leistungsfeststellungen

Leistungsbeurteilungen und -dokumentationen innerhalb des Fundamentums orientieren sich am achtjährigen gymnasialen Bildungsgang. Zwei Trimesterinformationen und das Jahreszeugnis dokumentieren die schulischen Leistungen und die Entwicklung der einzelnen Schüler.

IV. Internat

Der Schulleiter, im Vertretungsfall der stellvertretende Schulleiter als ständiger und allgemeiner Vertreter nach §42 SchG, ist Vorgesetzter des Leiters und der Mitarbeiter des Internats. Schule und Internat bilden eine pädagogische Einheit mit je eigenen Aufgaben und werden unter ?dem Motto "Gemeinsames Leben und Lernen" als vernetzte Bereiche gestaltet. Der Besuch des Internats ist daher für alle Schüler verbindlich. (gilt nicht für Externe)

Das Internat ist ein Campus, d. h. ein begrenzter und überschaubarer und damit auch sicherer Wohn- und Lebensbereich. Die Schülerinnen und Schüler wohnen im Internat in der Regel in Doppelzimmern. Bis zu sechs Doppelzimmer bilden eine Wohngemeinschaft, die von einer Wohngruppenmentorin oder einem Wohngruppenmentor betreut wird. Die Wohngemeinschaften organisieren sich soweit wie möglich selbst und übernehmen für das Leben und Arbeiten im Internat eigene Verantwortung.

Die Strukturen der Selbstorganisation erhalten deshalb mit zunehmendem Alter immer mehr Gewicht (Parlamentsstrukturen). Je verantwortungsbewusster die Schüler damit umgehen, desto so größer sind ihre Freiräume. Wichtig sind dabei das gemeinsame Entwickeln und Einhalten von Regeln, die auf der Internatsordnung als Rechtsgrundlage des Internatsbetriebs und der pädagogischen Konzeption des Internats beruhen. So bietet besonders das Internat eine wichtige Lerngelegenheit für alle Schüler, demokratische Formen des Zusammenlebens und die Übernahme von Verantwortung einzuüben.

Am LGH ist das klare Bekenntnis zu Leistung und Leistungsbereitschaft eingebettet in eine ganzheitliche Erziehung und Betreuung. Durch das gemeinsame Leben und Lernen bildet sich im Internat ein großes Ideennetzwerk. Dieses intensive Lernumfeld benötigt einen Ausgleich durch entsprechende Freizeitaktivitäten. Ein ausreichendes Raumangebot ist dafür unverzichtbar. Sportliche und musisch - künstlerische Aktivitäten sind u. a. ein notwendiges Ventil, um Spannungen, die durch das enge Zusammenleben vieler Menschen entstehen können, abzubauen.

Das Internat kann zwar nicht die Familie ersetzen, dennoch wollen die Mentorinnen und Mentoren "ihren" Kindern die Geborgenheit einer Familie geben und fühlen sich in enger Zusammenarbeit mit den Eltern für die Erziehung verantwortlich.

Die Eltern erwarten und vertrauen darauf, dass am LGH eine abwechslungsreiche und ausgewogene Freizeitgestaltung und eine gesunde Ernährung ihrer Kinder gewährleistet sind.

V. Kompetenzzentrum für Hochbegabtenförderung (KH)

Das Kompetenzzentrum für Hochbegabtenförderung (KH) ist eine Einheit des LGH und gleichzeitig landesweite Anlaufstelle für Fragen zum Thema Hochbegabung.

Der Schulleiter, im Vertretungsfall? der stellvertretende Schulleiter als ständiger und allgemeiner Vertreter nach §42 SchG, ist Vorgesetzter des Leiters des Kompetenzzentrums und der Mitarbeiter des KH.

1. Interne Aufgaben

Mitwirkung an der Auswahl der Schülerinnen und Schüler

Die Mitarbeiter des KH sind an der Auswahl der Schüler beteiligt. Sie organisieren in Absprache mit der Schulleitung das Aufnahmeverfahren der Bewerber für das LGH und sind an der Eingangsdiagnostik, den Gesprächen mit Schülern, den Eltern sowie an den Verhaltensbeobachtungen der Schüler während der Projekte beteiligt.

Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte zum Thema Hochbegabung

Das KH ist in Abstimmung mit der Schulleitung für die Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte des LGH zum Thema Hochbegabung verantwortlich. Es organisiert und leitet die Weiterbildungsreihe, in der u.a. folgende Themenblöcke behandelt werden:

Individuelle Beratung der LGH-Gemeinschaft

Das KH berät Schüler, Eltern und Lehrer des LGH in persönlichen und schulischen Angelegenheiten, wie z.B.:

Systematische Erhebungen am LGH

Durch regelmäßige Erhebungen am LGH schöpft das KH Erkenntnisse, die die bisherigen Ergebnisse der Hochbegabungsforschung ergänzen.

Mitarbeit an der Entwicklung spezieller Förderkonzepte für Hochbegabte

In Abstimmung mit der Schulleitung wirken die Mitarbeiter an der Entwicklung einer hochbegabtenspezifischen Didaktik, Methodik und Pädagogik mit.

2. Externe Aufgaben

Landesweite Anlaufstelle für Schulen zu Fragen der Hochbegabtenförderung

Zu allen Fragen der Hochbegabtenförderung bietet sich das KH als landesweite Anlaufstelle an.

Das KH unterstützt, begleitet und berät Schulen u.a. bei folgenden Themenstellungen:

Erfassung und Auswertung der hochbegabungsrelevanten Aktivitäten in Baden-Württemberg

Am KH sollen möglichst vollständig hochbegabungsrelevante Aktivitäten in Baden-Württemberg erfasst, gegebenenfalls zusammengeführt, ausgewertet und Praxisempfehlungen daraus abgeleitet werden.

Die vorhandenen Beratungs- und Förderangebote sollen nach Regionen, Interessen und Altersgruppen strukturiert und ausgewertet werden.

Informationsstelle für bundesweite und internationale Fördermöglichkeiten und Wettbewerbe

Am KH sollen möglichst viele Informationen gebündelt werden:

Dieses Wissen dient vor allem auch der Bekanntmachung dieser Angebote.

Mitwirkung an der Umsetzung einer landesweiten Hochbegabtenförderung

Im Interesse einer kontinuierlichen Förderung Hochbegabter von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter werden verschiedene Institutionen wie Kindergarten, Schule, Universität, Wirtschaft etc. stärker als bisher eingebunden und landesweit miteinander vernetzt. Dem KH am LGH kommt in diesem Zusammenhang die Aufgabe zu, die geplante Vernetzung organisatorisch zu gestalten.

Individuelle Beratung von Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern, Eltern

Das KH bietet regelmäßig Telefonsprechstunden für Schüler, Eltern, Lehrer sowie für Fachleute aus allen Bereichen der Erziehung in ganz Baden-Württemberg an.

Nach Vereinbarung ist eine persönliche Beratung im KH möglich.

Typische Beratungsanlässe können u.a. sein:

Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern, Eltern und weiteren Interessierten

Das KH führt in Abstimmung mit dem Kultusministerium für Lehrer, Eltern und Erzieher u.a. Fortbildungen zu? verschiedenen Themenbereichen wie Identifikation, Förderung, Beratung und Begleitung hoch begabter Schülerinnen und Schüler durch.

Außerdem sollen das Erkennen von Lernproblemen geschult sowie konkrete Fördermaßnahmen vermittelt und eingeübt werden, die auch von Nichtpsychologen anwendbar sind (z.B. Training von Lerntechniken, Motivation- bzw. Kreativitätsförderung).

Organisation und Durchführung von Wochenend- und Ferienakademien für Hochbegabte

Das KH organisiert in Kooperation mit verschiedenen Schulen und anderen Institutionen (wie Museen, Universitäten, Experten aus der Industrie und Wirtschaft) Wochenend- und Ferienakademien für besonders und hoch begabte Schüler aus ganz Baden-Württemberg.

Organisation von Informationsveranstaltungen

Das KH organisiert im Sinne einer breit angelegten Öffentlichkeitsarbeit im Auftrag des Kultusministeriums Informationsveranstaltungen für Lehrer, Eltern, Erzieher, Psychologen, Kinderärzte wie z.B. Infobörsen zum Thema Hochbegabung, Fachkongresse, Fachtagungen und Symposien.

VI. Die LGH-Gemeinschaft

Die Zusammenarbeit von Schulleitung, Lehrern, Psychologen, Schülern sowie deren Eltern ist ein wesentlicher Bestandteil der Weiterentwicklung des LGH.

1. Besondere Aufgaben der Lehrerinnen und Lehrer

Da es Ziel des LGH ist, Leben und Lernen zu verbinden, kommt den Lehrkräften eine pädagogische Doppelfunktion zu: Als Fachlehrkräfte unterrichten sie ihre Fächer und als Gymnasial- bzw. Wohngruppenmentorinnen und Wohngruppenmentoren beraten, begleiten und betreuen sie individuell die Schülerinnen und Schüler in Schule und Internat. ?Um eine möglichst direkte Ansprechbarkeit zu gewährleisten, wohnen die Lehrkräfte in der Regel auf dem Campus. Durch dieses besondere Engagement verdienen sich die Kollegen bei Schülern sowie deren Eltern großen Respekt, da sie nicht nur im Unterricht, sondern auch darüber hinaus als Bildungs- und Erziehungsexperten zur Verfügung stehen.

Diese Einheit von Erziehen und Unterrichten nach dem Vorbild des angelsächsischen Campusmodells ist für alle Beteiligten eine große Chance und Herausforderung.

Die Wohngruppenmentorinnen bzw. Wohngruppenmentoren betreuen jeweils eine Wohngruppe von bis zu 12 Schülerinnen bzw. Schüler und übernehmen in dieser Gruppe für die Zeit des Internatsaufenthaltes in vielen Belangen die Rolle der Eltern. Diese Lehrkräfte werden mit einem erheblichen Teil ihres Deputats für diese besonderen Betreuungsaufgaben freigestellt. Zu ihrer Unterstützung sind alle Lehrkräfte an den Internatswochenenden und im Freizeitbereich an der Betreuung beteiligt.

Die Gymnasialmentoren werden vom einzelnen Schüler gewählt. Sie beraten und unterstützen die Schüler in ihrer Schul- und Lernlaufbahn.Mindestens dreimal im Schuljahr finden Gespräche zwischen Schüler, dessen Eltern und dem Gymnasialmentor statt.

Die spezielle Ausrichtung des LGH als Bildungseinrichtung für hoch begabte Schüler bietet in besonderem Maße ein Umfeld für die Entwicklung, Erprobung und Evaluierung hochbegabtenspezifischer Unterrichtskonzepte und Organisationsformen. Diese Arbeit erfordert eine aktive Mitarbeit und Einbindung aller Lehrkräfte des LGH und eine intensive Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des Kompetenzzentrums.

Für das Phänomen der Hochbegabung stehen Theorien und Erfahrungen zur Verfügung, deren Kenntnis eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche pädagogische Arbeit an dieser Schule ist. Deshalb erhält jede Lehrkraft eine entsprechende vom Kompetenzzentrum organisierte Weiterbildung.

Die überdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten ermöglichen es den Lernenden, bereits in jungen Jahren universitäres Niveau zu erreichen. Neben der engen Kooperation mit Universitäten und weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen müssen die Lehrer am LGH deshalb über eine hohe Fachkompetenz und eine breite Allgemeinbildung verfügen. Regelmäßige fachbezogene und fächerübergreifende Fortbildungen sind deshalb für alle am LGH unterrichtenden Lehrkräfte unverzichtbar.

2. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kompetenzzentrums

Die Mitarbeiter des KH beraten und unterstützen die Lehrer, Eltern und Schüler in allen Belangen der Schule und des Internats.

Um diese Aufgaben sowie die Weiterbildungen zum Thema Hochbegabung und die systematische Auswertung am LGH kompetent wahrnehmen zu können, sind Fortbildungen zum Thema Diagnostik, Beratung und Förderung Hochbegabter unverzichtbar.

3. Schülermitwirkung

Wichtiger Bestandteil dieser Konzeption ist die gemeinsame Entwicklung des LGH durch alle Beteiligten. Die Schüler werden durch die besonderen organisatorischen Strukturen in Schule und Internat an Entscheidungen und deren Vorbereitung beteiligt. Als Schülersprecher, als Klassensprecher, als Mitglied des Schülerrats, des LGH-Rats oder in der Schulvollversammlung erhalten alle Schüler Gelegenheit, sich aktiv an allen wichtigen Diskussionen zu beteiligen und Entscheidungen vorzubereiten und mitzutragen.

Besonders im Internat wird das Zusammenleben und damit die Rechte und Pflichten mit allen Schülern gemeinsam erarbeitet und umgesetzt. Präsident und Manager organisieren das Leben in der Wohngruppe.

4. Elternmitarbeit

Da die Eltern der Schüler des LGH zum größten Teil nicht in Schwäbisch Gmünd wohnen, muss die Elternarbeit diese besondere Situation berücksichtigen. Die gewählten Elternvertreter geben als Ansprechpartner für Schule und Eltern Anliegen und Anfragen zeitnah weiter. Zusätzlich informieren regelmäßige Rundbriefe der Schulleitung die Eltern und stoßen Diskussionen an, die in den Gremien der Schule weitergeführt und bei Beschlussfassungen entsprechend berücksichtigt werden. Die Mitarbeit der Eltern ist somit Bestandteil einer gemeinsamen Schulentwicklung.

Im Hinblick auf die schulische, aber auch die soziale Entwicklung im Internat geben LGH-Familientage und Elternsprechtage außerdem Gelegenheit zum Austausch untereinander.

Die Elternvertreter gestalten den Tag der Offenen Tür aktiv mit.

Der Förderkreis hat die ideelle und finanzielle Unterstützung des LGH zum Ziel. Er bringt Anregungen, Kompetenzen und Kontakte der Mitglieder ein und sammelt Spenden für Anliegen des LGH, die über den finanziellen Rahmen des Schulbudgets hinausgehen.

VII. Kooperationen und Öffentlichkeitsarbeit

1. Kooperationen

Wissenschaftliche Einrichtungen: Um spezielle Begabungen zu fördern, eine Spitzenförderung anbieten zu können und ein Frühstudium zu ermöglichen, ist eine Zusammenarbeit mit Universitäten und Fachhochschulen und weiteren wissenschaftlichen Institutionen erforderlich. Ziel ist es, den Schülern die Möglichkeit zu geben, in ausgewählten Bereichen anrechenbare Nachweise für ein späteres Studium schon während der Schulzeit zu erwerben.

Einrichtungen zur Begabtenförderung: In Ergänzung zum eigenen Schülerforschungszentrum sind als weitere Institutionen der Spitzenförderung z.B. das Kepler-Seminar in Stuttgart und das Schülerforschungszentrum in Bad Saulgau wichtige Kooperationspartner für das LGH.

Wirtschaftsunternehmen: Um Schülern die Möglichkeit zu geben, in einem bestimmten Berufszweig praktische Erfahrungen zu sammeln und für die Durchführung des Studientages gibt es eine enge Zusammenarbeit mit zahlreichen Firmen der Region.

Musikschulen und Sportvereine: Da viele Schüler des LGH ein Instrument spielen, ist die Zusammenarbeit mit der Musikschule sehr wichtig, um eine kontinuierliche Förderung in diesem Bereich anbieten zu können. Die Schüler finden bei den meisten Sportarten geeignete Vereine in Schwäbisch Gmünd, in denen sie ein Training aufnehmen bzw. weiterführen können.

Soziale Einrichtungen: Die Durchführung des Sozialpraktikums für Klasse 10 eröffnet eine intensive Zusammenarbeit mit den verschiedensten Sozialeinrichtungen der Stadt Schwäbisch Gmünd.

Schüleraustausch und Schulpartnerschaften sollen zur intensiven Zusammenarbeit mit Schulen in anderen Ländern beitragen.

2. Öffentlichkeitsarbeit

Als Modellschule steht das LGH besonders im Blickpunkt des öffentlichen Interesses und der Medien.

Ein aktueller Internet-Auftritt und ein Konzept für Öffentlichkeitsarbeit sorgen dafür, dass Vertreter der Medien sich jederzeit über die Arbeit der Schule und des Kompetenzzentrums informieren können.

Die regionale Presse wird regelmäßig über besondere Ereignisse am LGH informiert.

Darüber hinaus informiert die Schulleitung z.B. durch Vorträge auf Tagungen, Austauschrunden und Informationsveranstaltungen, Interviews und Teilnahme an Diskussionen über das Thema Hochbegabtenförderung über die Erfahrungen, die an dieser Schule gemacht werden.

VIII. Auswahlverfahren

Das Aufnahmeverfahren ist in drei Stufen organisiert:

In der ersten Stufe wertet das KH die Bewerbungsunterlagen aus.

In der zweiten Stufe werden in Gruppen Intelligenztests durchgeführt. Ausgenommen sind Bewerberinnen und Bewerber, die ein anerkanntes Gutachten, das nicht älter als 2 Jahre sein darf, vorlegen können.

In der dritten Stufe werden alle hochbegabt getesteten Bewerberinnen und Bewerber zu einem Projektwochenende eingeladen.

Im beiderseitigen Interesse werden die Schüler zunächst probeweise für sechs Monate aufgenommen. Gibt es mehr geeignete Schüler als freie Plätze, werden Landeskinder bevorzugt berücksichtigt. Außerdem wird eine Warteliste angelegt.

IX. Qualitätsmanagement und Evaluation

Das LGH versteht sich als lernende Organisation. Bewusste Schulentwicklung zur Sicherung und Verbesserung der Qualität wird als dauernder Prozess verstanden und ist fester? Bestandteil der Schulphilosophie. Das KH unterstützt die Maßnahmen zur Qualitätssicherung und Weiterentwicklung.

Folgende Methoden werden von Beginn an einbezogen:

Die Arbeit von Schule und Internat wird vom KH systematisch ausgewertet. Diese Selbstevaluation dient einerseits der Weiterentwicklung der Konzeption des LGH und erlaubt andererseits wertvolle Einsichten in die Bedingungen effektiver Förderung Hochbegabter.